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Vergrößerung  Die Kuppelhalle
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Vergrößerung  Reiterstandbild
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Vergrößerung  Hildebrand Gurlitt
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Vergrößerung  Gemäldesammlung, 1926
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Vergrößerung  Sonderausstellung, 1926
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Vergrößerung  Ausstellungsraum, 1926
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Vergrößerung  Vortragssaal
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Vergrößerung  Ratsschulbibliothek
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Vergrößerung  Ratsschulbibliothek

Mit Beschluss des Rates und der Stadtverordneten wurde im Oktober 1897 unter dem Namen „König Albert-Stiftung“ eine städtische Anstalt für die „Unterbringung, Verwahrung, Erhal-
tung und dem Allgemeinwohl förderliche Benutzung von wissenschaftlichen und Kunst-Sammlungen“ begründet.
„Zur dauernden Erinnerung an den 23. April 1898 als den
70. Geburtstag und an den 29. Oktober 1898 als den Tag
des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des
Königs Albert“ übergab die Stadtgemeinde Zwickau von 1898 bis 1901 der Stiftung immer am 23. April, insgesamt vier Mal jeweils 25.000 Mark. An die Zwickauer Bürgerschaft erging ebenfalls ein Aufruf, das Anliegen der Stiftung finanziell zu unterstützen mit dem Ziel, recht bald den Bau für die muse-
alen Sammlungen beginnen zu können. Untergebracht werden sollten die Ratsschulbibliothek, die 1868 gestiftete Mineraliensammlung des Bergfaktors Ernst Julius Richter, die alten Handschriften des Ratsarchivs, die wertvollen alten Kunstgegenstände sowie die der Stadtgemeinde gehören-
den Gemälde und nach Möglichkeit die Sammlung des 1857 gegründeten und 1885 erneut gegründeten Altertumsvereins.

Bis zum Jahr 1910 hatte sich das Stiftungsvermögen durch Zinsen und Zuwendungen soweit vergrößert, dass ein Architektur-Wettbewerb für den Bau des König-Albert-Museums ausgeschrieben werden konnte, den der Zittauer Architekt Richard Schiffner gewann.

Nach den Plänen Schiffners wurde das Gebäude errichtet
und konnte nach zweijähriger Bauzeit am 23. April 1914 als
König-Albert-Museum eingeweiht werden.

Hildebrand Gurlitt – erster Museumsdirektor

Der Aufbau einer zielgerichteten Kunstsammlung begann 1925 durch die Berufung des jungen Dresdener Kunsthisto-
rikers Hildebrand Gurlitt (1895-1956). Mit ihm setzte eine erstaunliche und weitsichtige Arbeit für die modernen Künste ein, die über Zwickau und Sachsen hinaus reichte und den Anschluss an die Museen der Kunstzentren suchte. Gurlitt legte einen Bestand an Werken zeitgenössischer Künstler
für das Museum an und zeigte unter anderem in Ausstel-
lungen die damalige Gegenwartskunst von Rang (1925 Max Pechstein, 1926 Käthe Kollwitz und Das junge Dresden,
1927 Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, 1928 Emil Nolde). Wie weit das Engagement für die Moderne ging, verdeutlicht der Auftrag Gurlitts an das Bauhaus in Dessau
für die Gestaltung und Ausmalung des Museums in Zwickau. Sein neu strukturiertes und gestaltetes Museum wurde am 18. Oktober 1926 unter Beifall besonders der überregionalen Presse eröffnet. Gurlitt zeigte bzw. erwarb Werke der mittler-
weile zur Speerspitze der Moderne gehörenden Künstler wie Barlach, Feininger, Heckel, Hofer, Kandinsky, Kirchner, Klee, Kokoschka, Lissitzky, Marc, Munch, Nolde, Pechstein, Schmidt-Rottluff. Der Schriftwechsel Gurlitts im Museums-
archiv bezeugt den engen persönlichen Kontakt zu diesen Künstlern. Unter den Museumskollegen und Kunstkennern in ganz Deutschland fanden seine Leistungen regen Zuspruch und die Region für ihre Museumsarbeit Anerkennung. Dass Gurlitt nicht überall Unterstützung fand, bestätigt die lokale Presse der Zeit und der Schriftwechsel im Museumsarchiv, schon ab 1926 wurde gegen seine fortschrittliche Arbeit interveniert. In der Presse fanden zunehmende Kampagnen gegen die moderne Kunst statt, erschwerend waren die finanziellen Nöte der Stadt, die dann schließlich zu Gurlitts Entlassung führten.

Im kulturpolitischen Klima der Zeit zwischen 1933 und 1945 konnte künstlerisch und kunsthistorisch Bedeutsames zum 20. Jahrhundert nicht mehr erworben werden. Die folgenden Museumsdirektoren und Kunsthistoriker Siegfried Asche (Amtszeit von 1933 bis 1936) und Rudolf von Arps-Aubert (Amtszeit von 1936 bis 1945) konzentrierten sich demnach
auf die kulturhistorische und bergbauliche Sammlung des Museums und – weil wesentlich politisch unverfänglicher – auf die Zeit vor 1900.

Nach 1945

Mit Gertrud Rudloff-Hille (Amtszeit von 1945 bis 1950) und Marianne Vater (Amtszeit von 1950 bis 1963) konnte nach 1945 die Kunstsammlung kompetent erweitert werden. Künstler der Romantik (Richter und Klengel), der deutschen Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie Bantzer, Barlach, Beckmann, Corinth, Feininger, Hodler, Kubin, Liebermann bereicherten in dieser Zeit des kulturellen Auf-
bruchs nach dem Krieg die Sammlung.
1947 wurde mit der Verteilung der Ehrenbürgerwürde an
Max Pechstein und einer anschließenden Ausstellung an
die Bemühungen Gurlitts um die Kunst des gebürtigen Zwickauers angeknüpft. Pechsteins Werke wurden – den finanziellen Möglichkeiten entsprechend – gezielt gesammelt. Marianne Vater versuchte sogar, ein Pechstein-Archiv aufzu-
bauen und erwarb die Briefe des Künstlers.
An die während der Weimarer Republik begonnene Entwick-
lung anzuschließen, war dennoch kraftzehrend. Die aufkom-
menden Formalismus-Debatten der 50er Jahre als Ausdruck der Schwierigkeiten von Kulturpolitikern des jungen DDR-Staates mit nicht realistischer Kunst waren einer freien Ent-
wicklung der Künste wenig förderlich. In den 60er und 70er Jahren musste unter dem Direktorat des Volkskundlers Richard Wolf (1963 bis 1986) demzufolge die Kunstsam-
mlung des Museums wieder in den Hintergrund treten. Ausnahme war die 1971 von dem Kunsthistoriker Walter Hentschel gestiftete Gemäldesammlung „alter Meister“. Entsprechend einer angestrebten Regionalisierung der Sammlung und einer Angleichung von professioneller Kunst und künstlerischem Volksschaffen (Bitterfelder Weg: „Greif
zur Feder, Kumpel!“) kamen nur noch selten Kunstwerke
von überregionaler Bedeutung in das Museum, wie etwa die großzügige Schenkung von Fritz Bleyl im Jahre 1966, mit der neben Zeichnungen und Druckgrafiken vom Künstler selbst, vor allem auch bedeutende frühe Holzschnitte von Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner in die Sammlung eingingen.

Erst in den 80er Jahren konnten sich Tendenzen der inneren Erneuerung herausbilden und so den Blick erweitern auf die Kunstszenen, die sich mittlerweile in Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) entwickelt hatten.

Die Kunstsammlungen seit 1989

Der nach der politischen Wende folgende Demokratisierungsprozess forderte für Neuorientierung und Konsolidierung einige Zeit. Vordringlichste Aufgabe war es nun, die gravierenden Lücken der Sammlungsbestände aufzudecken und zu schließen. So ist es in den 90er Jahren vor allem gelungen, mit wichtigen Werken von Pechstein und Bleyl die Sammlung der „modernen Klassiker“ zu ergänzen. Aber auch überregional arbeitende, in Zwickau geborene Künstler wie Rosa Loy, Hartwig und Wolfram Ebersbach galt es für die Sammlung zu gewinnen. Die Erwerbung einer 10.000 Blätter umfassenden Privatsammlung im Jahr 1996 mehrten den Bestand der grafischen Sammlung. Durch die Vergabe des Pechstein-Preises ist es möglich, Werke der Preisträger wie Carlfriedrich Claus, Alfred Hrdlicka oder Arno Rink für die Sammlung zu erwerben, die junge Kunst hält Einzug in Form der Pechstein-Förderpreisträger.

Bis heute hat sich die Einheit von Museums- und Bibliotheks-
bau erhalten, wenn sich auch der Schwerpunkt der musealen Sammlungen nach dem Umzug der stadtgeschichtlichen Abteilung in den Museumskomplex „Priesterhäuser“ im Jahr 2003 zugunsten der umfangreichen Kunstsammlungen ver-
lagert hat. In dem mittlerweile denkmalgeschützten Muse-
umsgebäude präsentieren die Zwickauer Kunstsammlungen ihre wertvollen Bestände in ständigen und wechselnden Ausstellungen.