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Vergrößerung  Peter Breuer
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Vergrößerung  Werkstatt von Johann Böhme
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Vergrößerung  Alfred Hrdlicka

Die spätgotische und frühbarocke Skulpturensammlung befindet sich in der sogenannten „Plastikhalle“ des Museums, die im Herbst 2011 als neue Schausammlung wiedereröffnet werden konnte und nun die wertvollsten Glanzstücke aus eigenem Bestand bzw. aus Kirchenbesitz eindrucksvoll präsentiert. Die kunst- wie kulturgeschichtlich bedeutenden Werke der spätmittelalterlichen und frühbarocken Kunst in der Zwickauer Sammlung, die zu den bedeutendsten dieser Art in Sachsen zählt, spiegeln unumstritten die kulturellen Blütezeiten der Stadt wider. Mit der Entdeckung der Schneeberger Silbergruben um 1470 erlangten nämlich auch die Zwickauer Bürger großen Reichtum, der sich vor allem in kultureller Hinsicht niederschlug. In vorreformatorischer Zeit entstanden hier durch rege Bautätigkeit einige Schnitzerwerkstätten, die den wachsenden Bedarf an Bildwerken zur Ausstattung der Kirchen in und um Zwickau erfüllen konnten.

Nach der Reformation wurden allerdings viele Altarwerke und Heiligenfiguren, die nicht dem neuen reformatorischen Bildprogramm entsprachen, aus den liturgischen Zusammenhängen gelöst und aus den Kirchen entfernt. Das Ausmaß der Bilderstürmerei blieb in Zwickau im Vergleich zu anderen Regionen sehr begrenzt. Viele Werke wurden in der sogenannten „Götzenkammer“ der Marienkirche untergebracht oder überdauerten auf Dachböden glücklicherweise die Zeiten. Der Zwickauer Altertumsverein nahm sich schließlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dieser Kunstwerke an, die dann 1914 mit der Eröffnung des König-Albert-Museums, den heutigen Kunstsammlungen, öffentlich zugänglich wurden. Zu den wichtigsten Vertretern der sächsischen Spätgotik zählt der Zwickauer Bildschnitzer Peter Breuer. Gleichermaßen sind die Werke von Michael Heuffner und Leonhard Herrgott wichtige Zeugnisse für Zwickau als ein Zentrum spätgotischer Schnitzkunst in Obersachsen. Die bekannte Schneeberger Bildhauer-Werkstatt Böhme ist mit Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert vertreten. Das 20. Jahrhundert wird u.a. durch Arbeiten von Karl Albiker, Eugen Hoffmann (Porträtbüste ‚Otto Dix’) und Alfred Hrdlicka repräsentiert.

In den Jahren 2010 und 2011 war es durch Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II möglich, den Raum für die sakrale Kunst museal neu zu gestalten. Parallel läuft seit 2008 ein umfassendes Projekt zur Konservierung und Restaurierung, aber ebenso zur wissenschaftlichen Bearbeitung der Skulpturensammlung des 15.-18. Jahrhunderts. Der überregionale Rang dieser Sammlung wird daran deutlich, dass für die restauratorischen Maßnahmen mehrere Sponsoren und Fördermittelgeber gewonnen werden konnten (Landesstelle für Museumswesen im Freistaat Sachsen, Förderkreis der Kulturstiftung der Länder, Gemeinde Reinsdorf, private Leihgeber). Im groß angelegten Restaurierungsprojekt, vor allem unterstützt durch die Landesstelle für Museumswesen, werden die über die Jahrhunderte, z. T. insbesondere durch zu Beginn des 20. Jh. angewendetes Tränkungsverfahren mit einem Harz-Öl-Gemisch stark geschädigten Skulpturen voraussichtlich bis 2014/15 restauriert. Dann soll auch ein Bestandskatalog zu den ausgestellten Werken erscheinen.