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Vergrößerung Jan Brokof, Re:bellion // Re:ligion // Re:form, Entwurf (Detail), 2015
 
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Vergrößerung Daniel Rode, Cairo Marriott, Leuchtbuchstaben, 2012, Foto: Künstler
31.10.2015 - 24.01.2016 | RE:BELLION // RE:LIGION // RE:FORM. Künstler agieren im Umbruch
Unmut und Auflehnung bringen stets eine eigene visuelle Kultur hervor. Künstler reagieren auf gesellschaftliche Umbrüche seit je her mit neuen Ausdrucksformen und Medien. So nutzten Meister wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach den leicht zu vervielfältigenden Holzschnitt für ihre Botschaften. Ausgehend von der Reformationszeit will die international angelegte Ausstellung bildende Kunst in Umbruchsituationen bis in die Gegenwart hinein vorstellen. Insofern spannt sich der Bogen der Objekte von spätmittelalterlichen Druckgrafiken religiösen Inhalts, z.B. Cranachs „Passional Christi vnd Antichristi“ von 1521, politischen Avantgardeplakaten aus der frühen Sowjetunion, expressiven Holzschnitten von Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein bis zur Street-Art der ägyptischen Revolution seit 2011 sowie Installationen und Videoarbeiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern der Ausstellung wird eine Buchedition in Kooperation mit dem LUBOK-Verlag Leipzig entstehen.  
 
- Religion und Krisen -  
Spannungen in Glaubensfragen und soziales Unbehagen lösen Umbrüche aus. Insofern stehen Reformation und Deutscher Bauernkrieg modellhaft für komplexe Krisensituationen. Blicken wir heute auf den Arabischen Frühling, nach Israel und Palästina, auf die Islamische Republik Iran, auf den langjährigen Bürgerkrieg in Sri Lanka oder auf Russlands wieder erstarkte Orthodoxie, so wird klar: Allzu oft begleiten religiöse Dispute die Kontroversen oder lösen sie gar aus. Konträre religiöse Ansichten liefern Rechtfertigungen für Aufstand und Gewalt. Das hat sich seit fünfhundert Jahren nicht geändert. Dabei funktioniert bildende Kunst nicht nur als Kommentar, sondern auch als Katalysator. Häufig nimmt sie dabei neue Formen an. Nicht von ungefähr widmet sich die Lutherdekade 2015 dem Thema von Bild und Wort. Denn im Umfeld des Bauernkriegs entstand mit den Einblattdrucken ein innovatives Medium. Flugschriften der Protestanten verbreiteten die Ideen der Reformation. Die polemisch zugespitzten Holzschnitte trafen den Nerv der Zeitgenossen. Sie waren leicht reproduzierbar, erschwinglich und erreichten ein großes Publikum.  
 
- Flugschriften im Update -  
Mit dem LUBOK-Verlag Leipzig dockt dieses Projekt genau zwischen Historie und Aktualität an. Die exzellenten Linolschnittbücher von LUBOK fußen auf der Tradition alter russischer Bilderbögen und damit auf einem demokratischen Zugang zur Kunst. Für unsere einzigartige Edition produzierten Künstler_innen aus allen Weltgegenden neue Linolschnitte mit aktuellem politischen Inhalt: Ägypten, Südsudan, Sri Lanka, Indien, Israel, USA, Russland und Deutschland. Pointierte, auch satirische Blätter fangen den Zeitgeist und die Zustände in Krisenregionen ein. Sie transportieren aktuelle Geschichte in ein zeitloses Medium. Nicht zu vergessen, dass Flugblätter, Cartoons oder Schablonengraffitis heute im Klima von Auf- und Umbrüchen mindestens genauso relevant sind, wie einst die Holzschnitte.  
 
- Von Lucas Cranach bis Nina Paley -  
Weitere präsentierte Werke halten den brisanten Spannungsbogen: Cranachs Holzschnitte etwa oder vorreformatorische Kultbilder, die in sogenannten „Götzenkammern“ landeten, außerdem die selten gezeigten „Rosta Fenster“ der sowjetischen Avantgarde sowie expressionistische Reaktionen auf religiöse Themen nach 1918. Hochaktuelle Installationen und Videoarbeiten setzen sich direkt mit der Gegenwart auseinander: Lichtarbeiten von Daniel Rode, seit 2011 in Kairo entstanden; der Film „This Land is Mine“, eine tragikomische Geschichte Israels von Nina Paley, religionskritische Fahnenobjekte von Nadia Plungian und Till Ansgar Baumhauers Referenzen zu afghanischen Kriegsteppichen.  
 
- Beteiligte Künstler -  
Geschichte: Hans Brosamer, Jacques Callot, Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, HAP Grieshaber, Lea Grundig, Max Pechstein, Erhard Schön, Dziga Vertov  
 
Gegenwart: Khalid Wad Albaih (Südsudan/Katar), Till Ansgar Baumhauer (D), Jan Brokof (D), Markus Draper (D), Ganzeer (Ägypten), Maripelly Praveen Goud (Indien), Viktoria Lomasko (RU), Nina Paley (USA), Nadja Plungian (RU), Pala Pothupitiye (Sri Lanka), Pala Pothupitiye (Sri Lanka), Daniel Rode (D), Daniel Sassoon mit Eran Segal (Israel), Henrik Schrat (D), Gabriele Stötzer / Künstlerinnengruppe Erfurt (D).  
 
Kuratorinnen  
Susanne Altmann, Dr. Petra Lewey  
 
Die Ausstellung RE:BELLION // RE:LIGION // RE:FORM in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum findet im Rahmen der Lutherdekade statt und wird vom 19. März bis 5. Juni 2016 im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen zu sehen sein.  
 
- Begleitprogramm -  
Freitag, 30.10.2015, 18 Uhr  
Ausstellungseröffnung mit dem Chemnitzer Ensemble Agenda St. Jacob  
Zu hören sind Kirchenlieder und Motetten aus Quellen der Ratsschulbibliothek Zwickau, u.a. von David Köler, Philipp Dulichius und Heinrich Schütz.  
Eintritt: frei  
 
Dienstag, 10.11.2015, 18 Uhr  
BACH – LUTHER – IMPROVISATION  
BACH & BLUES DRESDEN: Ulrich Thiem (Cello/Gesang u.a.) und Andreas Böttcher (Vibraphon) spielen Werke von J. S. Bach, KammerJAZZmusik, Lutherlieder sowie Improvisationen über Lutherchoräle.  
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro  
 
Samstag, 14.11.2015, 15 Uhr  
Veranstaltungen zum Wochenende der Grafik  
Führung mit der Kuratorin Susanne Altmann  
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro  
 
Samstag, 14.11.2015, 17 Uhr  
Präsentation der Begleitpublikation mit Filmabend  
Nina Paley (Animationskünstlerin und Zeichnerin, Urbana/USA): Sita sings the Blues (2008, Animationsfilm zum indischen Ramayan-Epos (81 min), Einführung von Susanne Altmann  
Eintritt: frei  
 
Sonntag, 15.11.2015, 15 bis 17 Uhr  
Drucktechniken gestern und heute. Eine praktische Einführung zum Hochdruck  
Eintritt: frei  
 
- Vorträge -  
Sonntag, 24.1.2016, 15 Uhr  
Till Ansgar Baumhauer (Dresden): Gewalt und ihr Abbild in Langzeitkriegen. Was hat Afghanistan mit dem Dreißigjährigen Krieg und mit Bildproduktion zu tun?  
Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro  
 
Termin wird noch bekannt gegeben unter www.kunstsammlungen-zwickau.de  
Alexander Roob (Stuttgart): Die ROSTA-Fenster der bolschewistischen Kunstarmee  
Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro  
 
- Öffentliche Führungen -  
Mittwoch (Buß- und Bettag), 18.11.2015, 15 Uhr  
Sonntag, 13.12.2015, 15 Uhr  
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro  
 
Donnerstag, 3.12.2015, 18 Uhr  
Donnerstag, 7.1.2016, 18 Uhr  
Donnerstag, 14.1.2016, 18 Uhr  
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro  
 
- Museumspädagogisches Begleitprogramm -  
Für Schüler ab Klassenstufe 7 werden nach Absprache Führungen angeboten, in denen besonders die Bedeutung der Druckgrafik am Beispiel der Einblattdrucke (Holzschnitte) und Flugschriften des 16. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Reformation beleuchtet werden soll. So spiegeln zahlreiche Holzschnitte mit ihren polemisch zugespitzten Bildaussagen den konfessionellen Schlagabtausch zwischen Protestanten und Katholiken wider. Anhand ausgewählter Exponate wird vertiefend der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen der Streit um die Verehrung von Bildwerken für die frühneuzeitliche Bildproduktion hatte. Davon ausgehend spannt sich der Bogen aber auch zu den Wirkungsmechanismen von Druckgrafik heute bis hin zur aktuellen Protestkultur. Zu sehen sind u.a. Linolschnitte zeitgenössischer Künstler aus aller Welt, die extra für diese Ausstellung entstanden.  
Im Rahmen der Führung sind Schüler eingeladen, sich mit folgenden Fragen zu beschäftigen: Welche Medien benutzen heute Künstler in Krisenzeiten und zu welcher Bildsprache finden sie?  
 
Die Ausstellung ist nicht nur für den Kunstunterricht relevant, sondern ebenso fächerübergreifend für Geschichte, Religion, Ethik und Politik.  
 
Überblicksführung: 45 Minuten, Eintritt frei  
als Zusatzangebot mit Material (90 Minuten);  
Schüler 1,50 Euro p.P., Erwachsene 2,50 Euro p.P.
Veranstaltungsort:
KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum
Ort:
Lessingstraße 1, 08058 Zwickau
Ansprechpartner:
KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum
E-Mail: kunstsammlungen@zwickau.de (*)
* Weitere Informationen zur eSignatur finden Sie in unserem Impressum.
 
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